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Angespielt: Nintendo Switch

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The World Ends With You Final Remix

RPG

09.10.2018

Zum Video-Test

Autor: Mario Kablau

 

 

Die Welt endet mit dir! Ja genau, mit dir!

 

Mit The World Ends With You ist Square Enix 2007 etwas gelungen, das ich ihnen nicht mehr zugetraut hätte. Sie haben auf dem Nintendo DS ein RPG herausgebracht, das genau NICHT den klassischen Mustern von Final Fantasy oder Dragon Quest folgt. Deshalb jetzt unbedingt weiterlesen, auch wenn dich typische Rollenspiele von Square Enix nicht oder nicht mehr hinter dem Ofen hervorlocken! The World Ends With You hat mit Final Fantasy oder Dragon Quest ungefähr so viel gemeinsam wie Super Mario Galaxy mit Igor das Spiel: Sie sind Vertreter desselben Genres, Ende.

 

Dabei werden die Unterschiede zu eher klassischen Japano-RPGs auf den ersten Blick mehr als deutlich. Nicht nur der Artstyle und die Erzählweise sind sehr erfrischend, sondern auch das ganze Gameplay ist quasi ganz von Vorne gedacht. Man selbst schlüpft in die Rolle von Neku, einem Jungen, der in einer Welt zu sich kommt, die er nicht kennt. Und als wäre das nicht genug, er kennt auch sich selber nicht. Außer seinem Namen hat er vergessen, wer er ist. Keine guten Voraussetzungen für einen 15-jährigen, der alleine unterwegs ist. Und ziemlich schnell wird es noch schlimmer: Er bekommt eine seltsame Mail auf sein Handy, die er als SPAM einschätzt. Doch diese Mail lässt sich nicht löschen. Und die Botschaft, einen bestimmten Ort innerhalb von 60 Minuten zu erreichen, wenn er nicht ausgelöscht werden will, bleibt nicht alleine stehen. Plötzlich erscheint ein Countdown auf seiner Hand, der ihm zeigt, wie viel von den 60 Minuten noch übrig ist.

 

Und als wäre das nicht genug, wird er auch noch von komischen Fröschen angegriffen. Völlig schutzlos bleibt ihm nichts anderes übrig, als zu fliehen. Kurz darauf begegnet ihm das Mädchen Shiki, die ihn ohne Vorwarnung und mit Nachdruck bittet, einen Pakt mit ihm einzugehen, wenn er überleben will. Nach etwas Teenager-typischer Ablehnung stimmt er zu und die beiden können sich nun endlich verteidigen und die Noise, so heißt die Spezies zu der die Frösche gehören, auch bekämpfen. Auch wenn Neku kurz darauf immer noch nicht an das Spiel glaubt und versucht, Shiki loszuwerden, geht das Abenteuer gnadenlos weiter. Sie schaffen die Aufgabe und finden sich plötzlich am nächsten Tag wieder – ohne zu wissen, was in der Zwischenzeit passiert ist.

 

So erfahren sie auch, dass es insgesamt sieben Aufgaben an sieben Tagen geben wird und sie alle schaffen müssen, um zu überleben. Das Spiel der mysteriösen Reaper lässt ihnen keine Wahl und so ist auch Neku irgendwann etwas motivierter bei der Sache. Dabei werden die Aufgaben Tag für Tag schwerer und das Leben hängt damit am immer seidener werdenden Faden. Werden die beiden jemals verstehen, was hier abgeht und warum? Vielleicht – das werde ich hier sicher nicht verraten.

 

 

Fass mich nicht an – oder doch?!

 

Soviel also zur Geschichte, die macht ein RPG aber erst mal nicht besonders. Das Gameplay tut es. Schon vor über 10 Jahren auf dem DS hat das mit seiner Touch-Steuerung und der ziemlich innovativen und Hirn zermarternden Nutzung der beiden Bildschirme begeistert. Und obwohl der Teil mit den beiden Bildschirmen jetzt wegfällt und man im Kampf nicht mehr zwei Charakteren auf zwei Bildschirmen gleichzeitig steuern muss, ist es trotzdem noch so frisch wie eh und je.

 

Das liegt im Jahre 2018 auch daran, dass das Spiel trotz der positiven Resonanzen sowohl von Kritikern als auch von Spielern keine Fortsetzung oder spielerischen Kopien spendiert bekommen hat. Mit etwa 800.000 verkauften Einheiten ist es zwar kein wirtschaftlicher Vollflop gewesen, aber auf der anderen Seite stehen Spiele wie New Super Mario Bros. auf dem erfolgreichsten Handheld bisher mit 30 Mio. verkaufter Einheiten dar. Deshalb hat sich wohl keiner mehr dran getraut, bis heute. So dass es sich wie gesagt immer noch so frisch anfühlt wie damals. Und es gibt jetzt auch noch eine neue Möglichkeit, das Spiel zu steuern: Per Joy Con, doch dazu später mehr.

 

Spielt man im Handheld-Modus dann steuert man Neku wie bisher per Berührung. Man tippt mit dem Finger einfach da hin, wo er hin laufen soll. Die in verschiedene Bereiche eingeteilte Umgebung ist dabei auch schon sehr speziell für ein RPG, da es quasi nichts zu entdecken gibt. Schatztruhen, versteckte Bereiche usw. gibt es nicht. Was man sieht ist was man kriegt. Das Spiel ist aber natürlich so aufgebaut, dass man dennoch einiges zu tun hat. So sind die Bereiche zum Beispiel häufig durch unsichtbare Mauern umringt und man muss erst bestimmte Aufgaben erfüllen, um weiterzukommen.

 

Ähnlich ist es mit den Missionen, die man von den Reapern gestellt bekommt. Am zweiten Tag muss man zum Beispiel den Fluch einer Statue besiegen und dazu erst mal herausfinden, welche Statue gemeint ist, wie man da hin kommt und was genau dann der Fluch ist. Dazu spricht man auch mit Menschen in der Welt. Wobei sprechen eigentlich nicht der richtige Begriff ist. Neku und die anderen Spieler befinden sich nämlich nicht in der realen Welt, sondern im Untergrund, dem Spielfeld der Reaper. Sie können die Menschen in der realen Welt zwar sehen, aber nur an ganz bestimmten Stellen auch mit ihnen interagieren. Stattdessen kann man ihre Gedanken lesen und später auch Dinge in deren Kopf pflanzen, um sie zu manipulieren. So erfährt man, was man zu tun hat und setzt die Menschen ein, um seine Ziele zu erreichen.

 

Ein weiteres gutes Beispiel dafür ist der dritte Tag. Hier muss man in einer Konzerthalle etwas erledigen. Das scheitert aber daran, dass es darin stockfinster ist und der zur Reparatur beauftragte Techniker nicht aufzufinden ist. Man muss ihn also suchen und dann dazu bringen, seine Aufgabe zu erledigen, bevor man die Mission beenden kann. An Tag 5 muss man zwei streitende Freundinnen zur Vernunft bringen, weil sonst immer mehr Noise das Gebiet belagern. Dazu muss man erst herausfinden, was genau das Problem ist und dann dabei helfen, dass sie sich aussprechen und wieder vertragen, damit die Noise verschwinden.

 

Die Aufgaben sind dabei stets extrem linear und recht einfach zu durchschauen und zu lösen. Das Spiel zeichnet sich also weniger durch Entdecken und Erforschen aus, sondern neben der gut erzählten Geschichte vor allem durch das sehr besondere Kampfsystem.

 

 

Fight!

 

Kommt es zu einem Kampf – was man sich die meiste Zeit selbst aussuchen kann, da es keine Zufallskämpfe gibt – dann wechselt das Geschehen auf den Kampfbildschirm. Auch hier bewegt man Neku mit dem Finger. Angriffe erfolgen mit Hilfe so genannter Pins. Diese findet man oder erhält sie als Trophäen nach einem Kampf. Im Menü kann man diese dann anlegen – anfangs nur zwei, später bis zu sechs – und dann einsetzen.

 

Jeder Pin funktioniert dabei etwas anders. Es gibt welche, die durch Tippen auf den Gegner einen Angriff auslösen. Bei anderen muss man im leeren Raum eine Bewegung ausführen, um den Angriff auszulösen. Man kann sogar Pins nutzen, um Gegenstände herumzuwerfen oder Blitze einschlagen zu lassen. Je nachdem, welche Pins man angelegt hat, sieht der Kampf also immer etwas anders aus. Daneben gibt es auch Pins zur Heilung, was vor allem bei längeren Bosskämpfen oder in Kampfketten sinnvoll sein kann. Setzt man die Pins im Kampf ein, dann entwickeln sie sich langsam weiter und steigen irgendwann ein Level auf. Das macht die Angriffe stärker oder das Wideraufladen schneller. Man kann jeden Pin nämlich nur begrenzt einsetzen und muss dann warten, bis er wieder aufgeladen ist, bevor man ihn wieder einsetzen kann. Doch nicht nur durch den Einsatz im Kampf sind Entwicklungen möglich. Wenn man nicht spielt, sammelt man automatisch Erfahrung und die wird dann auf die gerade angelegten Pins verteilt, wenn man das Spiel wieder aufnimmt. Das hat mir an so mancher Stelle das Leben erleichtert.

 

Im Original hatte man neben Neku auf dem Touchscreen des DS noch Shiki auf dem oberen Bildschirm im Kampf zu steuern. Mangels zweitem Bildschirm der Switch ist das jetzt anders gelöst: Man kann Shiki durch ein bestimmtes Kommando „rufen“ und sie erscheint dann mit im Kampf und hilft Neku dabei. Dadurch steigt die Synchronisationsrate der beiden kontinuierlich an. Ist sie auf 100%, dann kann man einen Komboangriff starten. Zunächst muss man hier ziemlich schnell die richtigen Karten aufdecken, um den Angriff stärker zu machen und dann wird er entfesselt und richtet mächtig Schaden an.

 

Das Kampfsystem ist also sehr vielseitig und macht vor allem mit dem Finger sehr viel Spaß, auch wenn nicht immer alles so klappt, wie man das will. Gerade, dass man sich nicht gleichzeitig bewegen und angreifen kann, erfordert großes Umdenken bei so manch erprobter Kampfstrategie.

 

Steckt man die Switch ins Dock, dann kommt man an den Touchscreen nicht mehr ran, deshalb steuert man dann mittels Joy Con ein Fadenkreuz auf dem Bildschirm und setzt durch die Kombination von Tasten und Bewegungen Angriffe ein oder bewegt sich. Das funktioniert in meinen Augen aber nicht wirklich gut. Der einzige Vorteil daran ist, dass man so auch zu zweit spielen kann und Spieler 2 dem ersten im Kampf helfen kann. Davon unabhängig ist die Steuerung mit dem Finger aber um Längen besser.

 

 

Ein Anime mit J-Pop!

 

Technisch ist das Spiel eine ziemliche Bombe. Der Look ist frisch und die Objekte sind auch in HD sehr schön anzuschauen. Hier haben die Entwickler bei der Überführung auf die Switch sehr gute Arbeit geleistet. Mich stört es zwar manchmal in den zahlreichen Storys-Sequenzen etwas, das man nur eine Abfolge von Standbildern sieht, aber das passt an sich perfekt zum ganzen Look des Spiels. Genau wie das Lesen von Texten, denn das Spiel ist nicht vertont, man muss also jede Zeile lesen. Jetzt aber zumindest auf Deutsch, das Original auf dem DS gab es nur in englischer Sprache. Ein großer Fortschritt für so manchen und das hilft bestimmt dabei, Leute anzusprechen, die beim Original noch nicht zugeschlagen haben.

 

Die Musik ist dagegen nach wie vor atemberaubend. J-Pop vom feinsten untermalt das Geschehen genauso erfrischend wie die bereits geschilderten Elemente. Auch der neue Remix des Soundtracks kann sich hören lassen – ich schwelge aber lieber im Gefühl von damals und höre mir den O-Ton an.

 

Aber es ist nicht alles perfekt, vor allem die Steuerung mit dem Finger ist manchmal etwas ungenau und wie schon damals verdeckt man in den oft hektischen Kämpfen damit das Bild, dass man eigentlich dringend besser sehen sollte. Aber das alles sind nur Kleinigkeiten in Relation zu dem was man sonst geboten bekommt – von der Story bis hin zur schön runden Welt.

 

 

Vielen Dank an Nintendo für das Testmuster.


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Fazit

Ich hoffe, meine Worte konnte rüberbringen, warum The World Ends With You ein so besonderes Rollenspiel ist und konnte euch davon überzeugen, ihm eine Chance zu geben. Es gibt kaum ein Spiel, das so erfrischend anders ist – um dafür noch ein Argument zu bringen: Die getragene Kleidung hat unterschiedliche Effekte je nach Stadtteil in denen bestimmte Marken unterschiedlich beliebt sind. Probiert es aus, ihr werdet es nicht bereuen. Trotz des vergleichsweise hohen Alters kann ich es auch heute noch uneingeschränkt empfehlen. Wenn ihr noch nicht ganz sicher seid, empfehle ich meinen Video-Test zu The World Ends With You Final Remix.

Grafik

gut

Sound

super

Steuerung

gut

Spielspaß

super

86%

Singleplayer

75%

Multiplayer

Release

12.10.2018

Developer

Square Enix

Publisher

Nintendo

USK Freigabe

12+

Anzahl Spieler (Lokal)

1-2


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