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N-Zyklopädie

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Pro vs. Con: Sind Retail-Spiele besser als Downloads?

24.06.2014

Nach langer Zeit gibt es heute mal wieder ein Duell in der Redaktion. Da Download-Titel immer mehr an Fahrt gewinnen und vor allem Nintendo quasi jedes Spiel auf dem 3DS und der Wii U mittlerweile auch online anbietet, mussten wir uns diesem Thema einfach mal annehmen. Ring frei für Marc vs. Mario!

 

 

Marcs Standpunkt

Es wird vielleicht einige überraschen, aber auch ich habe hin und wieder ein paar konservative Anwandlungen. Download-Spiele sind solch ein Punkt. Und hiermit meine ich natürlich nicht die Software kleinerer Studios, die sonst nur schwer einen Vertriebsweg finden.

 

Download statt klassischer Retail Titel? Geht gar nicht und ich kann auch keinen logischen Grund dafür finden meine Meinung zu ändern. Erstens blutet mir da schon mal das Sammler-Herz. Nicht nur, dass ich es schön finde, meine Spiele gelegentlich aus dem Regal zu nehmen, neu zwischen Merchandise und Gimmicks zu positionieren oder mich schlicht an dem haptischen Besitz erfreue (und naiv von einem eigenen Spiele-Museum träume). Für mich war auch das „drumherum“ immer ein Teil gelebter Videospiele-Kultur. Du hast dir ein Spiel geholt, schaust dir erwartungsvoll auf dem Heimweg das Cover an, du öffnest knibbelig die Plastik-Banderole (der Puls steigt), atmest die Druckfarbe der Anleitung ein, betrachtest das Artwork auf dem Silberling und schiebst ihn letztlich in die Konsole. Von den Special- oder Collectors-Editionen, die mir als Sammler entgehen würden mal ganz zu schweigen.

 

Zweitens: Gebrauchte-Spiele und Leihversionen. Ähnlich wie viele andere Zocker gebe auch ich ein Heidengeld für mein Hobby aus. Da kommt es mir gerade recht auch nebenbei mal hin und wieder ein paar Spiele gebraucht zu erwerben. Das Totschlags-Argument „Du unterstützt aber so keine Software-Entwicklung“ lasse ich nicht gelten. Erstens kaufe ich genug Vollpreis-Spiele, außerdem orientiert sich ein Second-Hand Markt auch immer am ursprünglichen Erstkauf der Software und prinzipiell könnte man dieses Schein-Argument an jeden gehandelten Gegenstand anwenden und dem Konsumzwang Tür und Tor öffnen.

 

Drittens: Import- und Leihversionen. Ihr kennt das: Die USK hat mal wieder völlig unverständlich ein Spiel zerschnitten und ein Teil des Spielspaßes ist dahin. Aber Halt, ihr seid ja in zwei Wochen im liberaleren Nachbarland und könnt euch die Uncut-Version anschaffen. Oder ist es vielleicht gar nicht so schlimm und ihr testet das Spiel von einem Bekannten oder von der örtlichen Videothek. Pech gehabt! Denn all das ist dahin, wenn die „Download statt Retail"-Strategie konsequent zu Ende gedacht wird. Der Konsolenhersteller kann dann entscheiden, welche Spielversion ihr in welchen Breitengraden herunterzuladen habt.

 

Viertens: Preispolitik und Fachhandel. Bin ich eigentlich der Einzige, der es Unglaublich findet, dass Nintendo für downloadbare Software (mindestens) genauso viel verlangt wie für einen Retailtitel, an dem der Groß- und Einzelhandel verdient und für den noch Kosten für Pressung, Logistik, Druck und Verpackung anfallen? Als Download-Zocker seid ihr auch immer an die Preispolitik des Herstellers gebunden. Suchen nach Schnäppchen oder Angeboten? Gibt's nicht mehr, da es ja auch keinen Einzelhandel mehr gibt. Dass dies auch in letzter Konsequenz den Genickbruch für den auf Videospiele spezialisierten Einzelhandel und deren Arbeitsplätze bedeutet versteht sich von selber.

 

Und sonst so? Schon klar, selbst wenn ich meinen 3DS mal verliere oder meine Wii U den Geist aufgibt und ich mir eine neue Konsole hole, meine bisher online gekauften Spiele bleiben durch den persönlichen Account vorhanden und mit kleinem Aufwand kann ich sie neu herunterladen. Aber mein Spiel mal eben meinem Freund leihen oder auf meinem Zweitgerät zocken ist nicht drin. Und wer garantiert mir eigentlich, dass Nintendo, oder wer auch immer, noch in dreißig Jahren existiert und mir mein Spiel zur Verfügung stellt? Genau, keiner. Macht aber auch nix, ich spiele dann meine gut gepflegten Retroperlen aus dem Regal.

Marios Standpunkt

Zugegeben, ich war lange Zeit kein Freund von Download-Spielen, weil ich früher auch sehr viel Wert auf meine Sammlung gelegt habe. Im Laufe der letzten Jahre habe ich meine Meinung jedoch nach und nach geändert, zumindest in vielen Belangen.

 

Ja, es ist schön, ein Spiel auch haptisch zu besitzen und es anfassen, verleihen, tauschen, sammeln oder verkaufen zu können. Aber muss das sein? In meinen Augen nein, weil viele dieser Punkte bei mir faktisch eh nicht vorkommen. Ich kaufe grundsätzlich nur Spiele, bei denen ich mir recht sicher bin, dass ich sie auch mag und dementsprechend auch nicht mehr verkaufen will, weil ich sie vielleicht immer mal wieder spielen möchte. Tauschen fällt bei mir auch flach, weil alle meine Freunde mittlerweile quasi keine Spiele mehr spielen.

 

Okay, das sind an sich recht schwache Argumente für Download-Spiele, aber darum geht es mir auch gar nicht, sondern um die zahlreichen Vorteile. Der größte ist für mich, dass es mich früher immer genervt hat, dutzende Spiele mit den Urlaub oder zu Freunden nehmen zu müssen, wenn ich nicht nur zu Hause spielen wollte. Das kam bei mir sowohl mit Heimkonsolen aber natürlich vor allem mit Handhelds vor. Und nichts ist blöder, als in einer sandigen Strandtasche nach dem richtigen Modul zu suchen. Von daher ist der größte Download-Vorteil für mich die ständige Verfügbarkeit der Spiele. Mein 3DS hat eine 32 GB SD-Karte, so dass ich meine komplette Sammlung immer dabei haben kann, ohne auch nur ein weiteres Teil mitnehmen zu müssen.

 

Ähnlich geht es mir aktuell auf der Wii U. Manchmal ist die im Wohnzimmer aufgebaut, manchmal in meinen Büro. Und jedes Mal auch die Spiele hin und her zu tragen, würde mich einfach nur nerven. Daher finde ich es auch hier cool, die gesamte Bibliothek direkt auf der Konsole zu haben und jederzeit schnell starten zu können. Dazu kommt noch, dass die Konsole ohne Disk im Laufwerk eine ganze Spur leiser und das Zocken somit sogar angenehmer ist.

 

Ich will allerdings auch nicht verschweigen, dass ich mir hin und wieder natürlich auch ein Spiel auf Disk kaufe - nämlich dann, wenn es für mich wirklich einen besonderen Wert hat. Special Editions reizen mich schon, weil ich mir hier noch was Schönes ins Regal stellen kann. Aber brauche ich das bei jedem Spiel? Bei Mario & Sonic? Bei 3D World? Bei The Wind Waker, das ich eh schon für den GameCube habe? Nein! Aber bei Bayonetta 2 oder Xenoblade Chronicles? Ja, da schon. Ich finde es schön, die Wahl zu haben. Ohne Frage, Spiele auf Disk sind für mich etwas Besonderes und genau deshalb muss und darf nicht jedes Spiel so sein. Für das "normale" Futter ist Download vollkommen OK. Es nimmt keinen Platz weg, ist jederzeit verfügbar und kann auch nicht verloren gehen. Download-Spiele sind dazu eine perfekte Ergänzung, die vieles leichter machen.

 

Wichtig ist mir aber auch, dass beides verfügbar bleibt. Manche Spiele will ich einfach in echt haben, aber verteufele ich deshalb Downloads? Bestimmt nicht, denn sie haben unstreitbar viele Vorteile. Und solange wir Konsumenten beides nachfragen, wird es auch beides geben, davon bin ich fest überzeugt. Argumenten wie langfristiger Verfügbarkeit entgegne ich gerne: Mir egal, ich habe noch fast kein Spiel mehr als einmal durchgespielt und die meisten meiner alten Konsolen sind entweder kaputt oder verkauft. Was soll ich also mit den alten Spielen?

 

Unterm Strich akzeptiere ich aber natürlich Jeden, der seine Spiele lieber im Laden kauft. Aber muss man deshalb Downloads verteufeln? Das mutet mir fast so an wie die Tatsache, dass man in den 60ern glaubte, Rock 'n Roll sei der Untergang der zivilisierten Welt...

 

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