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Retro Studios: Vom Chaos- zum Kultentwickler (Teil 1)

06.07.2011

Autor: Matthias Küpper

 

 

Auf der diesjährigen E3 wurde angekündigt, dass die Retro Studios auch bei Mario Kart für den 3DS zum Teil ihre Finger mit im Spiel haben. Aber bekannt wurde die Firma durch die Metroid Prime Trilogie und später auch durch die Wiederbelebung der Donkey Kong Country Reihe. Viele sehen in Retro das neue Rare, da ihre Spiele für Qualität stehen. Heute kann man sich kaum vorstellen, dass die Firma aus Texas in den Anfängen große Probleme mit ihren Spielen hatte. Schließlich würde ein solches Entwicklerstudio niemals ein Metroid entwickeln oder doch?

 

 

Gründung und Chaos

 

1998 gründete Jeff Spangenberg, der zuvor Iguana Entertainment leitete, die Retro Studios, um Spiele exklusiv für Nintendos Konsolen zu entwickeln. Iguana Entertainment und der Publisher Acclaim gehörten zum Nintendo Dream Team, einem Kreis ausgewählter Entwickler und Publisher, die bevorzugt von Nintendo behandelt wurden. Jeff und sein Team dankten es mit der N64 exklusiven Turok Reihe, die somit auch der Grund seiner guten Verbindung zum Mario-Konzern war. Als Second Party Entwickler begann Retro vier Titel für Nintendo GameCube zu entwickeln, ohne überhaupt ein Entwicklungskit zu haben. Die Mitarbeiterzahl stieg schnell, doch es lief einiges schief.

 

 

Die einzelnen Teams arbeiteten nicht zusammen und es kam schnell zu einem Chaos. Das Studio wollte direkt mehrere Spiele herausbringen, doch überschätzten sie sich, wodurch die erwartete Qualität nicht erreicht wurde. Vertreter von Nintendo Japan kamen drei Mal im Jahr, um sich die Entwicklung anzuschauen und sie waren nicht zufrieden, mit dem was sie sahen. Nichts lief so, wie es sollte. Letztendlich kam es dann dazu, dass die vier Titel Car Combat (Thunder Rally) , NFL Retro Games, Raven Blade und ein Action Adventure nie für den Spielewürfel erschienen.

 

 

Ein genauerer Blick

 

Schon damals hatte die Firma gute Ideen, doch das Problem war wohl, dass alle auf einmal umgesetzt werden sollten. Der Titel Car Combat (Thunder Rally) sollte einen Online-Modus enthalten, in dem die Spieler gegeneinander kämpften. Über NFL Retro Games muss man wohl nicht all zu viel berichten. Es sollte ein gutes Sportspiel werden, doch auch dieses Spiel erblickte nicht das Licht der Welt.

 

 

Interessant wird es bei Raven Blade, dessen Entwicklung für Metroid Prime eingestellt wurde. Die Spieler hofften, dass der Titel ähnlich groß werden würde, wie ein Final Fantasy oder Dragon Quest. Die Bilder und Videos, die damals zu dem Spiel erschienen, sahen außerdem vielversprechend aus. Ein Held kämpft sich durch eine postapokalyptische Welt mit großen Monster und vielen Gefahren. Dabei wurden die Genres RPG und Action gemischt. Doch im Sommer 2001 wurde die Entwicklung eingestellt, da sich Retro Studios auf Metroid Prime konzentrieren sollte. Damals war die Hoffnung, dass die Entwicklung fortgesetzt wurde, doch bis heute ist dies nicht geschehen.

 

 

Auch die Arbeit an einem Action Adventure wurde für Metroid Prime eingestellt. In diesem sollten drei Protagonistinnen gegen Aliens kämpfen. Viel ist zu dem Spiel nicht bekannt und wahrscheinlich gab es nicht einmal eine spielbare Version. Doch die Erfahrungen mit dem Sci-Fi Spiel haben sicherlich bei der Metroid Serie geholfen.

 

 

Der Beginn einer neuen Ära

 

Im Jahr 2000 kam Shigeru Miyamoto nach Texas, um das Entwicklerstudio zu besuchen. Dieses hatte zuvor einen Prototyp zu einem Shooter entwickelt, der den Japaner so gut gefiel, dass sie Metroid in die Hände von Retro Studios legen wollten. Allerdings war Miyamoto mit der Entwicklung der anderen Spiele nicht zufrieden. Dennoch sahen sie damals ihre Serie in den richtigen Händen.

 

Wie schon erwähnt, wurden die Entwicklungen an den anderen Spielen beendet, damit es nicht zu einem weiteren Chaos kam. Dazu wurden mehr als die Hälfte der über 200 Mitarbeiter entlassen, da kein so großes Team gebraucht wurde. 2002 verkaufte Jeff Spangenberg seine Anteile an Retro Studios an Nintendo, wodurch die Firma zu einem First Party Entwickler wurde. Laut einigen Gerüchten waren Feten und dicke Autos ihm wichtiger, als sich um die Firma zu kümmern, wodurch er von Nintendo zum Ausstieg gedrängt wurde. Sein Nachfolger wurde Steve Barcia, der die Firma Simtex gegründet hatte.

 

Doch auch bei der Entwicklung an Metroid Prime gab es erneut Probleme. Das Team machte Überstunden, um die Deadline einzuhalten. Aber letztendlich haben sich die Mühen ja gelohnt. Das Spiel wurde ein Erfolg und das Team schaffte einen würdigen Nachfolger der Serie und den Sprung in 3D. Alte Elemente bildeten eine Harmonie mit den neuen und vorher hatte wohl kaum einer geglaubt, dass Metroid den Sprung in 3D so gut wie Zelda oder Mario schaffen würde.

 

 

Metroid, ein Aushängeschild

 

Metroid Prime bietet eine First Person Ansicht. Der Planet Talon IV, auf dem Samus landet, um ihren Erzfeind Ridley zu verfolgen, zeigt schon in den Anfängen was damals auf dem GameCube möglich war. Schon die Landeszone bietet eine wunderschöne Landschaft, mit einer üppigen Flora und Fauna. Aber die Levelarchitektur wird noch aufwendiger: Zum Beispiel in den Ruinen der Chozo, in denen der Spieler mehr über das Volk erfährt, das Samus als Kind aufgezogen hat.

 

 

Neben der interessanten Story, die hauptsächlich über Scans erzählt wird, bietet das Spiel vor allem eine einzigartige Atmosphäre, die man nur selten auf Nintendos Plattformen erlebt. Dazu kommt die Musik, die immer gut zu der Umgebung und Spielsituation passt. Beispielhaft genannt für die geniale Umsetzung seien hier die Phazon Minen, in denen das hochradioaktive Element von den Weltraumpiraten abgebaut und für Versuche verwendet wird. Gefährlicher kann es für die Weltraumjägerin kaum werden, was durch die Levelarchitektur und den Soundtrack verstärkt wird.

 

Metroid Prime gilt sowohl bei Spielern als auch bei Kritikern als Meisterwerk. Es ist also kein Wunder, dass mit diesem Titel die Retro Studios den Durchbruch schafften. Die Entwickler hatten allerdings selber lange nicht mit einem solchen Erfolg gerechnet und kurz bevor das Spiel herauskam, kam die Entscheidung, dass noch ein weiterer Titel entwickelt werden sollte. Schnell wurde noch das Ende ein wenig verändert, um eine Anspielung auf den zweiten Teil zu haben.

 

Wie es mit der Firma danach weiter ging, erfahrt ihr im zweiten Teil.

 

 

Hinweis: Einige der verwendeten Bilder stammen von IGN.com


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