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Reviews: Nintendo 3DS

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Doktor Lautrec und die vergessenen Ritter

Adventure

22.12.2011

Autor: Marc Müller

 

 

Ein dreister Layton-Abklatsch?

 

Die Plagiatsvorwürfe sind natürlich auch in gewissem Maße verständlich. Statt eines Professors ein Doktor, eine recht ähnliche Comicgrafik, ein junger Gehilfe an der Seite der Hauptfigur und eine dreistellige Anzahl an unterschiedlichen Rätseln, die es zu lösen gilt. Welchem aufgeklärten DS-Zocker kommen da nicht gewisse Ähnlichkeiten in den Sinn. Dass der Titel aber bereits weit vor dem Launch nur darauf reduziert wurde, hat wahrscheinlich auch die Entwickler recht deutlich genervt und so gibt es einen witzigen Seitenhieb in diese Richtung, als eine Nebenfigur des Spiels, die zufälligerweise eine recht große Ähnlichkeit zu Prof. Layton aufweist, in einer Zwischensequenz gehörig eins auf die Zwölf bekommt.

 

Aber um was für ein Spielkonzept handelt es sich bei Doctor Lautrec und die vergessenen Ritter genau? Nun, um das herauszufinden sollte man zunächst einmal drei bis vier Stunden mit dem Titel verbringen, denn die Story wird recht dicht und detailliert erzählt, was bereits zu Beginn positiv auffällt. Kurz gesagt ist Doktor Lautrec ein Abenteurer (auch wenn er das Wort selbst nicht gerne hört), der alte Schätze sucht. Diese befinden sich vornehmlich im Untergrund der alten Gemäuer von Paris und die interessantesten dieser Schätze sind sogenannte Habité-Schätze - wertvolle Gegenstände, die noch einen Geist als Wächter beherbergen. Hier kommt die Gehilfin von Doktor Lautrec ins Spiel, die die Geister orten sowie deren Herkunft erspürt.

 

Neben Doktor Lautrec gibt es allerdings noch andere Menschen, die ein Interesse an den Schätzen haben. Diese treten dann im Laufe des Spiels als Widersacher auf. Dazu ist der Untergrund von Paris natürlich nicht einfach so für jeden Spaziergänger geöffnet und wird von Gendarmen kontrolliert. Außerdem nehmen die bereits im Titel erwähnten "vergessenen Ritter" im Verlauf des Titels auch noch eine ganz besondere Rolle ein, aber wir möchten vorab natürlich nicht zuviel verraten.

 

 

Genrezuordnung? Nicht möglich!

 

Doktor Lautrec ist so ziemlich alles, nur eben nicht der erwartete Abklatsch eines Prof. Layton Rätseltitels. Eigentlich sind die Rätselabschnitte sogar recht spärlich vorhanden. Ein großer Teil des Spiels wird dafür benötigt, dem Storystrang zu folgen. Hierzu bedient sich der Titel meist dreidimensionaler Hintergründe auf die Comicbilder der Protagonisten gelegt werden. Der komplette, sehr umfangreiche deutsche Bildschirmtext wird nebenher per vorzüglicher englischer Sprachausgabe eingespielt. Nach dem Start der Hintergrundgeschichte sucht ihr schließlich auf einer umfangreichen Paris-Karte nach Hinweisen zum Einstieg in den Untergrund und dem Labyrinth in dem sich die nächsten Schätze verbirgen könnten. Ihr besucht somit oft mehr oder weniger bekannte Orte von Paris und bekommt noch nebenbei eine geballte Ladung von französischer Geschichte eingebläut, allerdings immer in einem unterhaltsamen und interessanten Rahmen. Habt ihr dann euer nächstes Ziel zum Abtauchen in die Labyrinthe gefunden, wechselt ihr in die isometrische Perspektive und schlagt euch mit einer Mixtur aus Schleichmissionen und Verschieberätseln durch den Untergrund. Da ihr nicht einfach springen oder klettern könnt und auch keinem der Aufpasser in die Arme rennen solltet, müsst ihr stets auf der Hut sein, Kisten verschieben, Abkürzungen finden und die Blickrichtungen der Gendarmen studieren. Sobald ihr einen Raum mit Schatz gefunden habt, kommen endlich die Rätsel ins Spiel. Denn um die letzte Tür zu öffnen müsst ihr eine mehr oder weniger knackige Aufgabe lösen. Eine begrenzte Hand voll an Kategorien steht hier zu Auswahl. Dies sind beispielsweise „Finde den Fehler“ Suchbilder, Bombenkästchen a la Minesweeper oder Kreuzworträtsel. Genau wie bei Prof. Layton könnt ihr euch Tipps geben lassen, dies ist in der Regel aber nicht nötig, da die Aufgaben relativ einfach sind.

 

Nach dem Öffnen der Tür ist der Schatz aber noch nicht euer, denn ein Wächtergeist versucht die Übernahme energisch zu verhindern. Ähnlich wie beim Fangen eines Pokémon, müsst ihr den Wächtergeist nun mit bereits erhaltenen Schätzen und Edelsteinen „zähmen“. Dabei wirken eure eingesetzten Waffen unterschiedlich auf die diversen Wächterarten, welche euch natürlich ebenfalls angreifen. Nach einem erfolgreichen Battle gehört euch der Schatz und ihr könnt diesen im weiteren Spielverlauf wieder bei den darauf folgenden Kämpfen einsetzen.

Ihr merkt also, das Spielkonzept ist ziemlich umfangreich und der anfängliche Verdacht einer dreisten Layton-Kopie zerfällt nach und nach wie ein Kartenhaus.

 

 

Viel Licht und etwas Schatten

 

Doktor Lautrec hat eine unglaublich reichhaltige, ja fast schon zu dichte Präsentation. Diese kommt in feinster britischer Synchronisation daher, was natürlich leicht ironisch wirkt. Denn wann bekommt man schon eine umfangreiche und spannende Stadtführung in Paris durch Briten?

 

Auch musikalisch ist das Spiel recht gelungen. Stimmungsvolle und meist orchestrale Musik passen hervorragend zum Setting und laden oft zum Mitsummen ein. Da freut es sehr, dass sich hier die Verantwortlichen im akustischen Bereich wirklich umfassende Gedanken gemacht haben.

 

Grafisch ist das Konzept dafür recht chaotisch. Wahrscheinlich gibt es kaum ein Spiel in dem so viele Perspektiv- und Stilwechsel vorhanden sind wie bei Doktor Lautrec. 3D Hintergründe mit vorgeschobenen 2D Comicbildern, dazwischen einfache, zweidimensionale Animefilmchen, die isometrische Draufsicht in den Dungeons, und das war bei Weitem nicht alles. Gut möglich, dass man hier einen weiten Schritt in Richtung künstlerische Vielfalt gehen wollte, eigentlich verwirrt und verwundert diese Praxis aber mehr, wenn auch viele Effekte und Hintergründe spannend und interessant gestaltet sind.

 

Die gewagte Mischung im eigentlichen Gameplay ist erfrischend, abwechslungsreich und mutig, enttäuscht aber mit der Zeit doch durch die schnelle Eintönigkeit. Es gibt nur wenige unterschiedliche Rätselarten, die Kämpfen werden naturgemäß schwieriger, ähneln sich aber sehr, genau wie das Design der Labyrinthe.

 

 

A new franchise is born?

 

Trotzdem: Doktor Lautrec hat eine Chance verdient und der mutige Genremix von Konami kann in weiten Teilen den Spieler an den Handheld binden. Ich halte es für gut möglich, nein, ich hoffe sogar, dass wir eine Fortsetzung des Titels bekommen in dem die doch in fast allen Bereichen vorhandenen Spaßbremsen ausgemerzt werden. Die eigentliche Idee ist grandios und viele gute Ansätze wurden erfolgreich ausgebaut. Auch das außergewöhnliche und verrückte Charakterdesign kann sich sehen lassen.

 

Leider sind aber auch die Minuspunkte des Spiels deutlich. Die Story wird zu breit getreten, es gibt viel zu wenige unterschiedliche Rätselkategorien und die Aufgaben und Kämpfe im Pariser Untergrund ähneln sich zu stark. Schade.

 

Vielen Dank an Konami für das Testmuster.


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Fazit

Von wegen Layton-Abklatsch! Doktor Lautrec ist ein unglaublich frischer Titel mit vielen Ideen und einer tollen Story und Soundkulisse. Leider wiederholen sich die einzelnen Gameplay-Elemente zu stark und bieten auf Dauer zu wenig Abwechslung. Wer sich aber mit einer spannenden Comic-Mixtur anfreunden und einige Schwächen verschmerzen kann, sollte sich den Titel genauer ansehen.

Grafik

ok

Sound

gut

Steuerung

ok

Spielspaß

ok

72%

Singleplayer

-

Multiplayer

Release

24.11.2011

Developer

Konami

Publisher

Konami

USK Freigabe

6+

Anzahl Spieler (Lokal)

1



Neue Wertungsskala für 3DS-Spiele

Um gegen den stetig weiter ansteigenden Höhenflug der Noten anzugehen, haben wir uns für eine fixe Notenskala entschieden, die wir ab sofort bei 3DS-Spielen verwenden. Hier könnt ihr also nachlesen, was eine Note in Worten ungefähr bedeutet. Andere Konsolen bleiben außen vor, damit dort weiter Vergleichbarkeit gewährleistet ist, das folgende gilt also nur für den 3DS:

 

90-100 Prozent

Absoluter Ausnahmetitel, nahe an der Perfektion. Diese Wertung bekommen nur die wenigsten Spiele, die das Medium vorantreiben, neue Elemente etablieren oder einfach nur an der Perfektion kratzen.

 

80-89 Prozent

Sehr gute Spiele, die man gespielt haben sollte.

 

70-79 Prozent

Gute Spiele, die man sich als Genre-Fan nicht entgehen lassen sollte.

 

60-69 Prozent

Ebenfalls gute Spiele, die aber mit größeren Mängeln zu kämpfen haben.

 

50-59 Prozent

Durchschnittliche Spiele, die höchstens für Fans interessant sind.

 

30-49 Prozent

08/15-Kost, starke Mängel

 

10-29 Prozent

Katastrophale Spiele, die in allen Aspekten den Ansprüchen nicht gerecht werden.

 

0-9 Prozent

Unspielbar.


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